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Monatstext


Freundschaft hat einen Namen: Peter



Im Winterthurer Lindbergwald spielen an einem schulfreien Mittwochnachmittag drei Knaben Szenen aus Karl Mays Büchern nach. Old Firehand, Old Shatterhand und Winnetou haben gerade die Schurken entdeckt, die es zu jagen gilt.

Es wird ein Plan ausgeheckt, und schon schleichen sich die drei in die Nähe der Gruppe Waldarbeiter, die als die Bösewichte deklariert wurden; jeder auf einem anderen Weg und jeder auf eine andere Weise – robbend, geduckt hinter Gebüschen, auf einem weiten Umweg trabend. Am gemeinsamen Treffpunkt wird befunden, dass die Gruppe für einen offenen Angriff zu gross und zu stark ist. Also wird die Übung unter der Verpflichtung der strengsten Geheimhaltung beendet. Später vergraben zwei der drei, Peter und Ruedi, noch einen Schatz unter der mittleren von drei leicht wieder auffindbaren Lärchen. So begann zwischen zwei der drei eine bis heute dauernde Freundschaft. Vielleicht haben Sie ähnliche Jugenderlebnisse. Ist da womöglich auch eine Freundschaft entstanden?

Im Fall von Peter und Ruedi – also: mir – folgten später gemeinsame botanische Exkursionen im schaffhausischen Randen und im nahen Schwarzwald, weil sich Peter zu einem absoluten Kenner der europäischen Orchideen entwickelte. Beide heirateten, man besuchte sich gegenseitig, beide übernahmen Patenschaften für ein Kind der anderen Familie. Einmal kam es sogar zu gemeinsamen Familienferien im Zusammenhang mit einer Rehabilitation nach einer Erkrankung.

Heute treffen sich die zwei alten Männer regelmässig zu einem Nachtessen, vielleicht anlässlich einer Metzgete irgendwo in einer Landbeiz, oder einfach zu einem gemütlichen Mittagessen, mal näher beim Wohnort des einen, mal näher beim Wohnort des andern oder irgendwo mittendrin. Meist wird politisiert, die eigene Befindlichkeit wird nur kurz angesprochen. Das werden Sie ja auch kennen: zwei Männer, am gleichen Tisch sitzend, die die Welt verbessern. Ohne regelmässige Telefonate geht es natürlich nicht. Beide wollen wissen, wie es dem anderen gesundheitlich geht. Schliesslich kann Peter nach einem Augeninfarkt nur noch auf einem Auge sehen, und ich habe meine regelmässigen Rheumaattacken. Aber es wird nicht nur geklönt, nötigenfalls wird Verständnis geäussert.

So dauert diese Freundschaft mit Peter schon über siebzig Jahre. Nein, wir sind nicht in allem gleich. Ich bin Christ, Peter ist Atheist. Peter ist im Militär Hauptmann, ich bin Soldat geblieben. Was soll’s! Freundschaft weiss solche Unterschiede zu integrieren oder beachtet sie nicht. Es gäbe noch viel zu erzählen, wie das halt so ist bei Freundschaften; aber das Wichtigste: Wir haben uns richtig gern, das wird so bleiben, und jeder kann sich auf den anderen verlassen. Ein solches Vertrauen auf die Verlässlichkeit des anderen ist unendlich viel wert.

Ich wünsche Ihnen allen auch so eine bereichernde Freundschaft. Es muss ja kein «Peter» sein. Und wenn es kein(e) irdische(r) Freund bzw. Freundin ist, so ist es vielleicht der Mann aus Nazareth oder seine Mutter Maria.

Ruedi Sigrist


Foto pixabay.com, jarmoluk

 
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