Agenda Angebote Was tun bei Über uns Downloads Links Aktuell  


spacer

Monatstext


Ökumenisches Eiertütschen – quo vadis?



Ökumenisches an den Ostertagen hat in Witikon eine gute Tradition, an der ich gerne mitwirke. Seit ich in Witikon Pfarrer bin, freue ich mich jeweils auf die eindrückliche ökumenische Feier am Karfreitag in der katholischen Kirche, das gemeinsame Osterfeuer vor der Alten Kirche als Beginn der Osternacht und das gemeinsame Eiertütschen nach den Osternacht-Gottesdiensten. Dieses Jahr verzichten wir nun auf das gemeinsame Eiertütschen – warum?

Auch wenn sich die beiden Schwesterkirchen nicht in allen theologischen Fragen einig sind: Wir verzichten nicht deswegen darauf, weil wir uns nicht auf eine ökumenische Tütsch-Liturgie hätten einigen können, sondern aus einem ganz säkularen Grund. Der katholische Osternacht-Gottesdienst ist der Höhepunkt des katholischen Kirchenjahrs, und entsprechend reich ist die spezielle Liturgie gestaltet. Unser reformierter Osternacht-Gottesdienst ist wesentlich kürzer, was zur Folge hat, dass die katholischen Glaubensgeschwister im Hinblick auf den gemeinsamen geselligen Abschluss latent unter Zeitdruck stehen, während wir jeweils zu später Stunde warten, bis Eier und Osterchüechli endlich freigegeben werden. So ist in den letzten Jahren mehrfach die Frage aufgetaucht, ob es nicht für alle einfacher wäre, wenn wir den Abschluss der Osternacht unabhängig voneinander gestalten würden.

Wenn nun also «Gupf» auf «Gupf» und «Füdle» auf «Füdle» für einmal nicht mit interkonfessioneller Begeisterung, sondern lediglich mit reformierter Nüchternheit geschlagen wird: Muss man sich um die Witiker Ökumene Sorgen machen? Jedenfalls nicht deswegen. Die beiden Kirchgemeinden führen zur Zeit so viele gemeinsame Veranstaltungen durch wie vielleicht noch nie: die Gottesdienste in der Gebetswoche für die Einheit der Christen, am Weltgebetstag, an Johannis, zur Aufhebung der Gräber, an St. Martin und an Silvester, die Einstimmungen in die Passions- und in die Adventszeit, das ökumenische Abendgebet, die Feiern und Anlässe, im Oekas und in der Segeten, die Witiker Gespräche, den ökumenischen Frauentreff, den ökumenischen Seniorenausflug, den Rosenaktionstag; sie betreiben gemeinsam den Stand am Dorfmärt, und nicht zuletzt singen viele Reformierte im katholischen Kirchenchor und Kinderchor.

Vielleicht muss man sich überhaupt keine Sorgen machen. Aber man sollte sich bewusst sein, dass auch in Witikon Ökumene dauernd erarbeitet sein will. So braucht etwa die Strukturreform auf reformierter Seite viel Energie, und auch die bereits bestehenden (Seelsorgeraum St. Anton) oder sich abzeichnenden (Kirchenkreis 7+8) grösseren kirchlichen Räume werden sich kaum von selbst miteinander verbinden. Abgesehen davon macht die kirchliche Grosswetterlage gegenwärtig nicht gerade wegen reformiert-katholischer Hochdruckgebiete von sich reden. Da bietet sich ein vertiefter Austausch an, und so treffen sich am 4. Mai VertreterInnen der beiden Kirchgemeinden zu einem Witiker Podium zur Ökumene, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind (genaue Angaben folgen).

Zum Schluss ein persönlicher Gedanke. Ökumene wirkt nach zwei Seiten: einerseits nach innen, indem sie einend und verbindend zwischen Kirchen und ihren Lehren vermittelt; andererseits nach aussen, indem Kirchen und Religionen in der Welt gemeinsam Grenzen unterlaufen und überschreiten – in der Welt, in der man zur Zeit geradezu versessen ist darauf, Grenzen und Zäune aufzurichten. Mir erscheint es fundamental wichtig, dass wir neben all der wichtigen ökumenischen Arbeit im Innern, etwa hier in Witikon, die weltweite Ökumene nicht aus den Augen verlieren.

Erich Bosshard-Nepustil, Pfr.

 
Die neue Ausgabe unserer Gemeindeseite ist ab sofort als pdf-Datei online.
mehr...