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JA zur Reform, NEIN zum vorliegenden Zusammenschlussvertrag↵

JA zur Reform, NEIN zum vorliegenden Zusammenschlussvertrag



Antrag der Kirchenpflege an die Kirchgemeindeversammlung vom 15. Juni 2017 zum Vertrag betr. Zusammenschluss der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden der Stadt Zürich und der Kirchgemeinde Oberengstringen zur Kirchgemeinde Zürich

Liebe Mitglieder der Kirchgemeinde Zürich Witikon

Am 15. Juni stimmen wir über den Zusammenschluss der 34 heutigen Kirchgemeinden in der Stadt Zürich und in Oberengstringen zu einer einzigen Kirchgemeinde (Stadt) Zürich ab. Stimmen mindestens 24 Kirchgemeinden dem Zusammenschluss zu, so wird es die reformierte Kirchgemeinde Witikon ab 1.1.2019 nicht mehr geben. Eine zentrale gesamtstädtische Kirchenpflege beschliesst dann in Zukunft über Angebote und Leistungen sowie über die Zuteilung von Mitarbeiterstellen, Räumen (Kirchen, mit Saal) und Finanzen für Witikon. Die Entscheidung der Kirchgemeindeversammlung ist deshalb eine folgenschwere.

Nach sorgfältigem Abwägen der Argumente stellt Ihnen die Kirchenpflege den Antrag, den Zusammenschlussvertrag abzulehnen.
Wir begründen dies wie folgt:

1. Grundsätzlich unterstützen wir das Reformvorhaben und wir können uns auch den Zusammenschluss zu einer gesamtstädtischen Kirchgemeinde vorstellen. Dass die kirchlichen Angebote und Leistungen sowie die Strukturen der Institution Kirche immer wieder weiterzuentwickeln sind, ist im Kern der reformierten Kirche angelegt. Wir haben an den bisherigen Reformarbeiten aktiv mitgewirkt, erarbeitete Dokumente sorgfältig studiert und in Vernehmlassungen fundiert Stellung genommen. Das werden wir auch künftig tun.

2. An der Kirchgemeindeversammlung können wir dem vorliegenden Zusammenschlussvertrag zustimmen oder ihn ablehnen, also «JA» oder «NEIN» sagen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist allerdings noch so vieles offen und ungeklärt, dass die Konsequenzen eines Zusammenschlusses nicht fundiert beurteilt werden können. Wir sind in einem Dilemma (ein Dilemma «bezeichnet eine Situation, die zwei Möglichkeiten der Entscheidung bietet, die beide zu einem unerwünschten Resultat führen»; Wikipedia):
  • Wenn wir «JA» stimmen, sagen wir ja zum notwendigen Reformprozess und helfen, den Schwung der bisherigen Arbeiten weiterzuführen. Wir tun das aber, obwohl die kantonale Kirchenordnung noch nicht beschlossen ist, kein Entwurf einer Kirchgemeindeordnung für eine gesamtstädtische Kirchgemeinde vorliegt, ohne zu wissen, wie die Kirche künftig in Witikon präsent und den knapp 3’400 Mitgliedern nahe sein wird. Der unerwünschte Effekt ist, dass wir gewissermassen «die Katze im Sack kaufen». Wir gehen ein beachtliches Risiko ein, dass als Folge der Zentralisierung der Entscheidkompetenzen die Kirche in Witikon künftig weniger präsent sein wird und in einer gut funktionierenden Kirchgemeinde Leistungen abgebaut werden.
  • Wenn wir «NEIN» stimmen, so fordern wir, dass alle Karten auf den Tisch gelegt und zuerst die Ressourcenzuteilung und die lokale Präsenz der Kirche in den Quartieren geklärt werden. Der unerwünschte Effekt dabei ist, dass wir den notwendigen Reformprozess verzögern.

3. Auch wenn wir eine Verstärkung der Zusammenarbeit unter Nachbargemeinden und die Nutzung gesamtstädtischer Synergien als sinnvoll und nötig erachten und wir auch bereit sind, damit sofort zu beginnen, können wir diesem Vertrag nicht mit gutem Gewissen zustimmen. Der Entscheid wird zu früh gefordert, bevor ausreichende Klarheit über die inhaltliche Arbeit der Kirche und die Zuteilung der Ressourcen geschaffen ist. Weil eine begeisterungsfähige, bestmögliche neue Lösung fehlt, muss jetzt «das geringere Übel» gewählt werden. Das ist eine schlechte Voraussetzung.

4. Der Entscheid für ein «NEIN» zum Zusammenschlussvertrag ist uns schwer gefallen. Wir erachten es aber als die bessere bzw. weniger schlechte Lösung. Wir möchten nicht unter Zeitdruck zweit- oder drittbeste Lösungen akzeptieren, sondern wollen für die künftige Kirche die beste Lösung. Die fehlende Konkretisierungsarbeit ist in jedem Fall noch zu leisten, so dass sich die zeitliche Verzögerung in Grenzen halten wird. Das «NEIN» eröffnet die Chance, in Abstimmung mit der Landeskirche einen weiterführenden inhaltlichen Strategieprozess zu gestalten. In diesem soll geklärt werden, wie die Kirche im Rahmen der Verkündigung des Evangeliums im heutigen gesellschaftlichen Kontext ihre gemeinschafts-stiftende Aufgabe, ihre Solidarität mit bedürftigen Menschen und ihr Wächteramt wahrnehmen soll und welchen Stellenwert dabei der Arbeit vor Ort bzw. in den Gemeinden und Quartieren zukommen muss.

5. Die Kirchenpflege ist sich bewusst, dass letztlich umgesetzt wird, was von mindestens 24 Kirchgemeinden beschlossen wird. Es ist durchaus möglich, dass die Mehrheit der Gemeinden zustimmen wird. Dann werden wir weiterhin konstruktiv-kritisch mitarbeiten. Manche von uns bekommen in Arbeitsgruppen immer wieder zu spüren, dass man Witikon in die Ecke der «Spielverderber» schieben will. Das ist unangenehm, vor allem, weil wir uns «für» und nicht «gegen» eine lebendige Kirche engagieren. Aber nur deshalb zuzustimmen, weil wir damit Unangenehmem ausweichen wollen, wäre keine Option. Uns sind die Kirche mit ihrer gemeinschaftsstiftenden Funktion in Nachbarschaft und Quartieren und der immer wichtiger werdende Einbezug von Freiwilligen so wichtig, dass wir diese gesichert wissen möchten, bevor wir einem Zusammenschluss zustimmen. Das ist unser demokratisches Recht.

6. Auch wenn wir uns in der Kirchenpflege im Ziel einig sind, so ist eine Minderheit für einen anderen Weg und für ein «JA» zum Zusammenschlussvertrag. Sie argumentiert, dass ein Vertrag, der 34 verschiedenen Kirchgemeinden mit ihren Gegebenheiten, Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht wird, eigentlich gar nicht möglich ist. Es ist also besser, wenn der Vertrag nicht zu viel festlegt. Die Umsetzung muss sich je nach Möglichkeiten vor Ort unterschiedlich gestalten lassen. Die Verantwortlichen innerhalb eines Kirchenkreises werden, ob als Angestellte oder Freiwillige, gemeinsam um die besten Formen ringen, sich zusammenfinden und neue Wege beschreiten. Das Altbewährte wird fraglos weiterhin Bestand haben. Niemand will, dass nur vor Ort mögliche, gut besuchte Angebote gestrichen werden. Zusammen arbeiten heisst Teilen, voneinander Lernen, Loslassen und Neues Gewinnen. Ein Ja zum Vertrag, der (glücklicherweise) noch vieles offen lässt, ermöglicht, danach mitzuarbeiten am Aufbau unseres neuen Kirchenkreises. Die Kirchgemeindeordnung gilt es noch zu erarbeiten. Auch dort müssen wir uns einbringen, damit letztlich eine gute Vorlage zur Abstimmung gebracht werden kann.

Aus Kostengründen verzichten wir darauf, den Zusammenschlussvertrag im vollen Wortlaut beizulegen. Sie finden den Vertrag unter folgendem Link: http://www.kirchenreform-zh.ch/Zusammenschlussvertrag.pdf. Oder Sie können auf dem Sekretariat der Kirchgemeinde eine Kopie verlangen.

Für die Kirchenpflege
Hans-Peter Burkhard, Präsident

 
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