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Ein (Rück-)Blick in die Southwark Cathedral

Southwark Cathedral

Vieles hat sich verändert, seit wir im Sommer 2017 unsere Gemeinde­reise nach London unternommen haben – vor allem in den letzten Monaten. Die Stadt wurde vom Coronavirus mit voller Wucht getroffen: Fast ein Viertel der Menschen, die in Grossbritannien an dem Virus gestorben sind, lebten in London. Wie in der Schweiz mussten in Grossbritannien die Kirchen ihre Türen schliessen und ganz auf die digitalen Medien setzen. So auch in der Southwark Cathedral, der anglikanischen Diözese am Südufer der Themse, deren Dekan bzw. Dean, Andrew Nunn, uns im Sommer 2017 empfangen hat. Doch wie haben die Menschen der Gemeinde Southwark die letzten Monate erlebt? Dean Andrew Nunn, der sich an unsere Gruppe aus Witikon erinnert und herzlich grüssen lässt, gab Mitte Juni Auskunft:

«Southwark Cathedral ist nun seit zwölf Wochen geschlossen. Es war ein furchtbarer Schock für uns, als die Regierung bekannt gab, dass Gotteshäuser schliessen müssen. Schnell mussten wir überlegen, wie unser Leben weitergeht. Wie viele Kirchen haben auch wir auf online umgestellt. Aus dem Haus, in dem ich als Dekan lebe, übertrugen wir jeden Tag zwei Feiern, nämlich ein Morgengebet und ein Abendgebet. Im Durchschnitt haben sich jeweils un­gefähr 50 Gemeindemitglieder diese Übertragungen live angesehen und viele weitere haben die Aufnahmen zu einem späteren Zeitpunkt angeklickt. Seit Auffahrt dürfen wir nun Gottesdienste in der Kathedrale selbst aufnehmen, was wir gerne tun. Der Rest unseres kirchlichen Lebens findet auf der Plattform Zoom statt! Es gibt viele Treffen, aber auch Rätsel­abende und Bingo. Zum Glück gab es keine Todesfälle unter unse­ren Gemeindemitgliedern, doch viele von ihnen haben Menschen aus ihren Familien oder ihrem Freundeskreis verloren, und wir haben versucht, sie in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Für uns als Gemeinde ist es auch schwierig, dass wir das Sakrament der Eucharistie nicht feiern können. So mussten andere Arten der ‚Kommunion‘, wie eben etwa das tägliche Gebet, wichtiger werden.

Die Umgebung der Southwark Cathedral blieb immer belebt, war aber ruhiger als sonst. Da der Borough Market gleich in der Nähe nicht schliessen musste, konnte ich dort etwa einkaufen, und die Bankside, das Südufer der Themse, ist auch während der Krise eine beliebte Strecke zum Radfahren und Joggen geblieben. Da nun der Lockdown Schritt für Schritt aufgehoben wird, sind wieder mehr Menschen unterwegs, und es ist gut zu sehen, dass das Leben zurückkommt.

Was für langfristige Auswirkungen die Coronakrise auf die Art und Weise, wie wir unseren Glauben leben, haben wird, wissen wir noch nicht. Für viele ist es eine Gewohnheit, regelmässig in die Kirche zu gehen. Nun, da mit dieser Gewohnheit gebrochen werden musste, wird es einigen schwerfallen, dazu zurückzufinden. Ich denke, dass wir unsere Gottesdienste in einer gemischten Form durchführen werden, so dass zugleich eine ‚reale‘ und eine ‚virtuelle‘ Gemeinde teilnehmen kann. Doch die grösste Herausforderung ist es, das, was wir in der Kirche und als Kirche theologisch tun, auf eine angemessene und effektive Weise über das Internet zu vermitteln. Da gibt es viel, über das nachgedacht werden muss. Auf jeden Fall haben wir beschlossen, dass wir – wenn keine zweite Welle kommt – das beste Weihnachtsfest aller Zeiten feiern werden.»

Interview und Übersetzung:
Ann-Sophie Bosshard




Foto: iSAWcompany/pixabay.com

 
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