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Anfangen

Alte Kirche Witikon im Schnee

«Aller Anfang ist schwer», sagt der Volksmund. Allerdings dichtete Hermann Hesse mit «jedem Anfang wohnt ein Zauber inne» einen gern zitierten Gegen-Satz dazu. Was gilt nun: Ist ein Anfang schwer oder bezaubernd? Manche meinen, das könne eigent­­lich erst vom Ende her beurteilt werden, aber dann ist der Anfang ja längst Vergangenheit. Das einzigartige Gefühl vor einem neuen Schritt kann rückblickend kaum noch nachempfunden werden. Dieses Gefühl, etwas zu wagen, einen besonderen Raum zum ersten Mal zu betreten, den ersten Schnee zu sehen, ist etwas ganz Besonderes. Erinnern Sie sich an den verschneiten 1. Dezem­ber letzten Jahres? Ein solcher «erster Schnee» kann doch eigentlich gar nicht zum langweiligen «Schnee von gestern» werden. Das Ende oder auch nur das Später ist beim Anfangen irgendwie uninteressant.

Allerdings hat das Anfangen, vor allem aber das Anfängersein häufig einen schlechten Ruf. Wer möchte schon gerne Anfängerin sein, noch dazu als erwachsene Person. Einem Anfänger werden Unkenntnis und Unerfahrenheit unterstellt. Dabei gehören doch auch Neugierde und Wagemut zum Anfangen dazu, Offenheit und Vertrauen. Und was wäre, wenn niemand einen Anfang wagen würde, ja, wenn es gar keine Anfänge gäbe?

Ohne das «Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde» keine Welt. Ohne den ersten Kuss kein Leben. Ohne erste Schritte kein auf­rechter Gang. Ohne Gebrabbel keine Worte. Kurzum: nicht auszudenken, was denn wäre ohne Anfänge.

Und so erzählt die Bibel auch nicht nur vom Anfänger Gott, der mit der Schöpfung beginnt. Sie erzählt immer wieder Geschichten von Anfängen und Neuanfängen Gottes mit den Menschen. Gerade in der Weihnachtszeit hatten wir dies vor Augen, denn Gott beginnt auch das Menschsein als Anfänger, als Säugling in der Krippe, der noch nicht einmal krabbeln oder brabbeln kann.

Nun finde ich mich selbst seit dem neuen Jahr als Anfängerin in der Gemeinde Witikon wieder. Zwar wohne ich schon drei­einhalb Jahre hier, aber ab jetzt bin ich als Pfarrerin tätig. Zwar bin ich keine Berufsanfängerin, aber doch zum ersten Mal auf einer festen Gemeindestelle tätig. Neu ist für mich ebenfalls, dass mein Mann künftig auch Arbeits­kollege sein wird.

Mein Stellenantritt fiel mit dem Jahresanfang zusammen. Der Jahreswechsel ist natürlich ein willkürlicher Termin, und doch laden wir ihn immer mit Bedeutung auf. Für dieses Jahr vielleicht noch etwas mehr. Wie oft habe ich im Dezember «ein besse­res 2021» gewünscht. Auf dass das vom Virus dominierte vergangene Jahr auch wirklich endlich hinter uns liegen möge. In diesem Sinne beginne ich meinen Dienst in der Gemeinde und freue mich auf all das Neue, vor allem auf die Begegnungen mit Ihnen! Nun denn, der Anfang ist gemacht.

Pfarrerin Christine Stark



Foto: Christof Pfister

 
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